Negative Auswirkungen von Hufbeschlag auf die Pferdegesundheit

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In erster Linie strebt der Hufbeschlag nicht die Heilung der Erkrankung und damit die langfristige Genesung des Organismus an, sondern die sofortige Nutzbarmachung des Pferdes. Dieses "Doping" verschleiert die bereits vorhandenen Schäden und fügt dem Organismus weitere, weitaus gravierendere Schäden zu!

 

Wie wirkt Hufbeschlag und warum „verschwinden“ die bisherigen Probleme sofort?

 

Die bisherigen Probleme verschwinden sofort, weil der Beschlag die Nerventätigkeit einschränkt! Bei einem gesunden, unbeschlagenen Pferd spreizt sich die Hornkapsel beim Auffußen und zieht sich anschließend wieder zusammen. Diesen Vorgang nennt man Hufmechanismus! Beim Beschlag wird der Huf im unbelasteten, engen Zustand auf einem Hufeisen fixiert, was zur Folge hat, dass der Hufmechanismus stark eingeschränkt wird. Es ist dabei völlig egal, ob der Huf auf einem Eisen- oder Kunststoffbeschlag fixiert wird. Fakt ist, er wird fixiert und damit in der Beweglichkeit massiv eingeschränkt!

 

Hufmechanismus - nachgestellt - beim „Barhuf“

 

Hufmechanismus - nachgestellt - beim „fixierten Huf“

 

Das Spreizen und anschließende Wiederzusammenziehen der Hornkapsel sorgt für enorme Blutzirkulation in den stoffwechselaktiven Hufen. Nur bei optimalen Durchblutungsverhältnissen können die Nerven richtig arbeiten, da sonst nicht genügend Botenstoffe für die Reizweiterleitung geliefert werden können. Weil die Nerven bei Beschlag außer Gefecht gesetzt sind, muss das Pferd auf betäubten Hufen laufen. So kann der vorhandene Schaden nicht mehr durch den Schmerz gemeldet werden und die Schädigung schreitet unbemerkt voran.

 

Der Hufmechanismus ist nicht nur für die Nerventätigkeit, sondern auch für die Herzunterstützung von entscheidender Bedeutung. Er stellt eine Art Pumpe dar, die das Blut aus den entlegenen Gliedmaßen zum Herzen zurück pumpt. Das Pferd hat ab Karpal- bzw. Sprunggelenk abwärts keine Muskulatur, die den Blutumtrieb unterstützt. Funktionieren die „vier Zusatzherzen“ nicht, z.B. durch Beschlag, wird das Herz dauerhaft überbeansprucht.

 

Die Hufe sind beim Pferd ein sehr wichtiges stoffwechselaktives Organ. Im Huf werden Eiweiße als Horn "verbaut". Wenn dieser Prozess (durch Mangeldurchblutung) eingeschränkt ist, verbleiben die Eiweißstoffe in der Blutbahn und müssen als "Abfall" über die Niere ausgeschieden werden. Zudem können im Horn auch Schadstoffe oder Stoffwechselrückstände ausgeschieden werden, die andernfalls zusätzlich über die Niere oder Leber entsorgt werden müssten. Das heißt, wenn die Hufe nicht funktionieren, müssen Niere und Leber übermäßig viel arbeiten.

Eine solche chronische Überbeanspruchung kann im schlimmsten Fall bis zum Leber- und Nierenversagen führen (evtl. Cushing?). Die Haut kann ebenfalls mittels Ekzemen und Ähnlichem den Prozess der Entgiftung unterstützen. Da aber bei permanenter Überbeanspruchung von Leber, Niere und Haut die Entgiftung des Organismus insgesamt nur mangelhaft stattfindet, vergiftet sich das Pferd langsam.

 

Durch mangelnden Hufmechanismus fehlen nahezu 80 % der Stoßdämpfung! Somit gelangt jeder Stoß und Schlag bei jedem Schritt ungebremst in die Gelenke, Sehnen, Bänder und das darüber liegende Gewebe. Sowohl Sehnen- und Bänderansatzstellen als auch die Knorpel sind dieser Beanspruchung nicht dauerhaft gewachsen und verhärten (verknöchern) allmählich. Dies ist die Ursache fast aller "Verschleißerscheinungen" wie z.B. Arthrose, Schale, Spat und Hufknorpelverknöcherung, etc.!

 

Hochgradige Hufknorpelverknöcherung bei einem Kaltblut.

Hochgradige Hufknorpel-verknöcherung bei einem Kaltblut.

Sehnen- und Bänderansatzstellen sind ebenfalls stark verknöchert.

Sehnen- und Bänderansatz-stellen sind ebenfalls stark verknöchert.

 

Die Vibration des Eisens (Vibration entsteht, wenn das Eisen auf den Boden aufschlägt) zerstört Kapillaren sowie feinstes Gewebe für immer! Dieses Krankheitsbild ist auch bei den Menschen als Raynod-Syndrom bekannt. Bevorzugt erkranken daran Menschen, die mit schweren vibrierenden Geräten, z.B. Presslufthämmern, arbeiten.

 

Ein Pferd, das mit gefühllosen Hufen und zerstörtem Gewebe herum läuft, ist logischerweise auch nicht mehr in der Lage, den Untergrund zu spüren. Solche Pferde neigen häufig zum Stolpern. Es besteht die Gefahr des Umknickens, was zu Sehnen- und Bänderzerrungen bis hin zum Abriss oder einem schweren Sturz von Pferd und Reiter führen kann.

 

Durch die verminderte Blutzufuhr gelangen weniger Proteine in den Huf. Wenn die Baustoffe für eine feste, stabile Hufkapsel fehlen, leidet die Hornqualität erheblich. Das brüchige Hufhorn wird durch die Nagellöcher noch weiter geschädigt, so dass Bakterien und Keime (gerade bei nicht artgerechter Haltung massenhaft vorhanden) tief in das Hufinnere eindringen können und den Huf von innen zerstören. Die Nägel leiten besonders im Winter die Kälte durch die sonst gut isolierte Hufkapsel tief nach innen, nahe an die hoch sensible Huflederhaut. Da der Huf mit Beschlag keinen Abrieb erfährt, ist der Körper auch nicht darüber „informiert“, dass er stabiles, festes, dem Abrieb standhaltendes Horn produzieren soll, wodurch die Hornqualität weiter leidet.

 

Mangelhafte Hornqualität als Folge von Beschlag - Frontansicht

Mangelhafte Hornqualität als Folge von Beschlag - Frontansicht

Mangelhafte Hornqualität als Folge von Beschlag - Seitenansicht

Mangelhafte Hornqualität als Folge von Beschlag - Seitenansicht

Drei Monate später: Enorme Verbesserung der Hornqualität - Frontansicht

Drei Monate später: Enorme Verbesserung der Hornqualität - Frontansicht

Drei Monate später: Enorme Verbesserung der Hornqualität - Seitenansicht

Drei Monate später: Enorme Verbesserung der Hornqualität - Seitenansicht

 

Die Wucht- und Bewegungsenergie, die bei einem unbeschlagenen Huf Hufmechanismus bewirkt, setzt den beschlagenen Huf enorm unter Spannung. Die Wände verbiegen sich krankhaft, was zu Lederhautzerrungen und Quetschungen führt. Die Verbiegungen sind z.B. anhand der "Scheuerrinnen" auf dem Eisenschenkel sichtbar. Je größer die Beschlagsintervalle sind, desto länger werden die Hebel, die wiederum noch mehr Spannung verursachen! So kommt es zu verbogenen und verformten Hufwänden, die der Spannung nicht selten durch einen Kapselriss nachgeben!

 

Scheuerrinnen auf dem Eisenschenkel.

Scheuerrinnen auf dem Eisenschenkel.

Kapselbruch - durch falsche Spannung entstanden.

Kapselbruch - durch falsche Spannung entstanden.

 

Da der Huf eine Kegelform hat, ist er auch bestrebt, in diese Richtung zu wachsen. Ein beschlagener Huf kann dieser Wachstumsrichtung nicht mehr folgen. Er ist durch den Beschlag fixiert, der ja nicht mitwächst! Bedingt dadurch werden die Seitenwände immer steiler nachwachsen und der Huf immer enger und kleiner werden (Zwanghuf und Hufkrebs), bis der Tragranddurchmesser  schließlich dem Kronranddurchmesser entspricht. Die Blutzirkulation wird weiter eingeschränkt, die Lederhäute abgequetscht, bis sie an Teilbereichen absterben (Hufgeschwüre). Das Hufbein (der dreieckige Knochen in der Kapsel) ist unphysiologischen (krankhaften) Druckverhältnissen ausgesetzt, welche zum Knochenabbau führen. Unter diesen Umständen leidet die Hufbeinaufhängung massiv. Das enorme Gewicht des Hufeisens (evtl. sogar Spezialbeschlag mit noch mehr Gewicht) zerrt zusätzlich an der Aufhängung. Leidet der Huf an einer Fehlstellung oder zu hohen Trachten, wird die Hufbeinaufhängung permanent fehlbelastet. Dieser Teufelskreis erhält sich so lange, bis die überlastete und zerstörte Aufhängung der Belastung nachgibt und an Teilbereichen abreißt. Sehr häufig geht dies begleitend mit einer Stoffwechselveränderung einher (anderes Kraftfutter, Anweiden, Wurmkur, Impfung, etc.), die das Fass zum Überlaufen bringt. Ist das geschehen, bekommt das Pferd Hufrehe!

 

Schematische Darstellung: Verengtes Wachstum der Kapsel unter Beschlag.

Schematische Darstellung: Verengtes Wachstum der Kapsel unter Beschlag.

 

Wird ein Pferd vor dem vollendeten fünften Lebensjahr beschlagen, können sich die Hufbeinäste nicht richtig entwickeln. Sie verkümmern, so dass das Pferd sein Leben lang auf verkrüppelten Knochen durch die Gegend laufen muss. Das Strahlpolster, welches eigentlich dazu da ist, den Huf beim Auffußen abzudämpfen, kann nicht – wie von der Natur vorgesehen - verknorpeln und zu seiner natürlichen Festigkeit und Widerstandsfähigkeit gelangen, weil Strahl und Ballen durch den Beschlag keinen Bodenkontakt haben und somit der Reiz für die Verknorpelung (Kontakt zum Untergrund) fehlt! Im Strahl sterben die Schweißdrüsen ab, die durch das saure Milieu den Strahl vor Fäulnis geschützt haben. Damit verliert der Strahl seinen natürlichen Schutz gegen Strahlfäule und Strahlpilz.

 

Fohlenhufbein, bei dem sich die Hufbeinäste noch in der Entwicklung befinden.

Fohlenhufbein, bei dem sich die Hufbeinäste noch in der Entwicklung befinden.

Ausgewachsenes Hufbein mit vollendeten Hufbeinästen.

Ausgewachsenes Hufbein mit vollendeten Hufbeinästen.

 

Verbogene deformierte Wände und unphysiologische Zug- und Druckverhältnisse im Inneren der Hufkapsel können Lederhautentzündungen verursachen, die oft als immer wiederkehrendes Anzeichen für Hufrollenentzündung gehalten werden.

 

Huf mit schlechter Hornqualität und schnabelnder Zehenwand.

Huf mit schlechter Hornqualität und schnabelnder Zehenwand.

Huf mit verbogenen und verformten Seitenwänden.

Huf mit verbogenen und verformten Seitenwänden.

 

Abgesehen davon besteht die Gefahr des Vernagelns, sowie das erhöhte Verletzungsrisiko für den Menschen oder die Herdengenossen.

 

Bei Eis und Schnee ist es fast nicht möglich, das Pferd gefahrlos zu bewegen (außer in der Halle). Da das Pferd Steppentier und Fernwanderwild ist und von Natur aus dazu vorgesehen, große Distanzen zu gehen, wirken sich lange „Stehzeiten“ ebenfalls negativ auf den Organismus aus!

 

Die Sohle kann durch mangelnden Bodenkontakt nicht verschwielen (aushärten) und bleibt daher weich und empfindlich, weshalb das Pferd nach der Eisenabnahme deutliche Fühligkeit zeigt.

 

All diese Probleme trägt Dein Pferd 24 Stunden am Tag, 7 Tage in der Woche mit sich herum, damit es für 1-2 Stunden reiten am Tag "nutzbar" gemacht werden kann.

 

 

 

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