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Zwanghufe
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Auch unter den konventionellen Hufbearbeitern hat sich mittlerweile herumgesprochen, was ein so genannter Zwanghuf ist. Unter einem Zwanghuf - die klassische und am weitesten verbreitete Form ist der Trachtenzwanghuf versteht man einen Huf, der seine Form bei Belastung behält oder sogar enger wird. Das hängt nicht unmittelbar mit dem Abstand der Trachten zusammen! Bei diesen Hufen hängt alles davon ab, den Hufmechanismus (Spreizen der Hornkapsel beim Auffußen mit anschließendem Zusammenziehen beim Abfußen) schnellstmöglich wieder herzustellen! Solange der Huf nicht bei jeder Belastung auseinander gedrückt wird, kann er auch insgesamt nicht weiter werden. Es erfordert eine konsequente Behandlung, damit ein solcher Zwanghuf anfängt, sich wieder nach außen zu entwickeln. Eine Weitung kann nur erfolgen, wenn die Hufe in kurzen Abständen (2 Wochen) bearbeitet werden und wenn das Pferd korrekt auffußt. Genau so unerlässlich sind bei einer solchen Behandlung artgerechte Offenstallbedingungen mit betonierten Flächen, die dem Pferd 24 Std. am Tag Möglichkeit und Anreiz zur Bewegung verschaffen und dem Huf dadurch genügend Gegendruck für eine Kapselspreizung bieten. Denn nur, wenn sich das Pferd bewegt, ist der Hufmechanismus und somit auch die Heilung möglich!
Nicht alle Zwanghufe sind Trachtenzwanghufe! Beim Trachtenzwang ist der Huf entweder rund und die Trachten biegen sich nach innen, oder die Seitenwände sind ab Mitte des Hufes gerade gezogen und zeigen nach innen. Die Trachten sind der Teil am Huf, der vom Hufmechanismus am meisten betroffen ist - der sich am meisten weitet. Das ist beim Trachtenzwanghuf nicht möglich, somit fehlen nahezu 80% der Stoßdämpfung, die der Hufmechanismus ausmacht! Gelenke, Sehnen und Bänder werden vom ständigen, unphysiologischen Stoß und Schlag gequetscht und gezerrt. Nach einiger Zeit verknöchern dadurch die Ansatzstellen. Trachtenzwang kann sowohl beidseitig als auch einseitig vorkommen.
Beim Sohlenzwanghuf ist die Sohle weit nach oben gewölbt und quetscht die Huflederhaut und den Strahl zusammen. In vielen Fällen ist das nicht immer offensichtlich, da das Gewölbe, welches eigentlich vorhanden sein sollte, mit überflüssigem, abgestorbenem Sohlenhorn bedeckt ist. Erst beim Bearbeiten kommt die tiefe Sohlenwölbung zum Vorschein. Das ist typisch für Pferde mit viel zu hohen Trachten und/ oder Beschlag. Sehr oft geht diese Zwangform einher mit viel zu langen, drückenden Eckstreben. Pferde mit solcher Problematik werden uns häufig als „an Hufrollenentzündung erkrankt“ vorgestellt.
Beim so genannten Kronenzwang ist die Auftrittsfläche des Hufes kleiner als der Kronranddurchmesser, solche Hufe sehen wie eine Dose aus. Sie sind besonders schwer zu behandeln und entstehen schnell, wenn Fohlen und Jungpferde auf weichem Boden gehalten werden. Der Huf bekommt nicht genug Gegendruck um sich dem schnell wachsenden Kronranddurchmesser entsprechend zu weiten. Die Trachten wachsen aufgrund der verringerten Belastung schneller und der Hufmechanismus kann nicht mehr funktionieren. Dadurch ist die Stoßdämpfung massiv eingeschränkt, das Herz bekommt durch die vier kaum noch pumpenden "Zusatzherzen" keine Unterstützung mehr und der Stoffwechsel wird überlastet. Deutliche Merkmale sind, abgesehen von Lahmheiten oder "Klammgehen", Entzündung und Schmerzen, ein dicker Kronwulst, dicke Venen am Röhrbein und vor-sichtige, unlustige Bewegungen.
Eckstrebenzwang entsteht, wenn die Eckstrebe Bodenkontakt hat und im Huf nach oben geschoben wird. Sie drückt dem Pferd dann bei jedem Schritt wie ein Stein im Schuh. Dadurch wird die Huflederhaut gequetscht und gereizt. Sie entzündet sich schmerzhaft. Auch diese Pferde werden uns oft als „an Hufrollenentzündung erkrankt“ vorgestellt.
Drei typische Beispiele mit drückenden Eckstreben & zugewuchertem Sohlengewölbe. So wird der Hufmechanismus außer Kraft gesetzt und der Organismus erkrankt!
Beim Ballenzwang schieben die Trachten die Ballen nach oben. Die Ballen sehen dann nicht breit und kräftig aus, sondern zusammen geschoben und gequetscht wie ein „Hühnerpopo“ oder ein Herz. Oft geht diese Erkrankung Hand in Hand mit untergeschobenen Trachten. Von der Seite betrachtet, sieht der Huf im ersten Moment so aus, als würde das Pferd auf dem Ballen laufen. Schaut man genauer hin, erkennt man, dass die Trachten nicht „stehen“, sondern schräg „liegen“ (nach vorn unter den Huf geschoben werden) und in Folge dessen unphysiologisch belastet werden. Die innerhalb der Trachten befindliche, sensible Huflederhaut wird dabei schmerzhaft gequetscht und entzündet sich. Darüber hinaus wirkt die schräg liegende Trachtenwand wie ein Hebel auf den Kronrand im Ballenbereich. Die Ballenkrone wird nach hinten zur Fußmitte und nach unten gedrückt. Solche Pferde entwickeln eine Schonhaltung, bei der sie die Vorderbeine weit unter den Bauch stellen. Die Röhrbeine stehen nicht mehr senkrecht. Sehr oft wird auch bei diesen Pferden eine Hufrollenentzündung „diagnostiziert“. Weitere Infos hierzu findest Du unter den Punkten: zu flache Trachten und Hufrollenentzündung.
Wie schnell sich Besserung und Heilung einstellen, ist sehr unterschiedlich und abhängig von der Vorgeschichte (Vorschädigung), den Lebensbedingungen und den Hufpflegeintervallen. Weil jeder Organismus anders reagiert, können keine Voraussagen gemacht werden.
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