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Wozu überhaupt Hufpflege, Barhufpflege, Naturhufpflege?

Uns Barhufpfleger gibt es eigentlich nur, weil Pferdehufe unter menschlicher Obhut NICHT so viel Abrieb und Abnutzung erfahren, wie das beim Leben in der Natur der Fall wäre! Die allgemeine Auffassung, dass Pferdehufe geschont, beschlagen und vor Abrieb geschützt werden müssen, ist pauschal nicht korrekt und kann im Gegenteil die Ursache vieler Probleme und Krankheiten sein!

Pferde in freier Wildbahn

Quelle der Namibpferdebilder: www.reisesucht-online.de

Pferde in freier Wildbahn Pferde in freier Wildbahn

Wilde Pferde in der Namib Wüste

 

In freier Wildbahn legen Pferde, um zwischen Ruheplätzen, Weide- und Wasserstellen hin und her zu pendeln, eine Strecke von ca. 20 - 30 Kilometern pro Tag zurück! Sie bewegen sich dabei über eine Vielzahl von unterschiedlich beschaffenen Böden, von steinigem Geröll bis hin zu weichem Grasboden. So halten sich Hornabrieb und -neuproduktion die Waage!

Durch Fehler im Aufzuchts- und Haltungsmanagement der Fohlen, sowie durch mangelhafte Kontrolle und vernachlässigte Korrektur der Gliedmaßenstellung und der Hufe durch einen kompetenten Hufbearbeiter, wird schon im Fohlenalter der Grundstein für Stellungs- und Hufprobleme gelegt. Auf denen muss das ausgewachsene Pferd dann sein restliches Leben herumlaufen! Wenn Gliedmaßenfehlstellungen im Fohlenalter rechtzeitig erkannt und korrigiert werden, sowie die Hufe von Anfang an durch fachkundige Hufpflege (das Entfernen von überflüssigem Horn) in Balance gehalten und in ihrer Funktionalität gefördert werden, kann das Pferd unter ständiger Bewegung auf vielfältigen Böden ein hufsorgenfreies Leben führen. Im Idealfall kann man späteren Problemen auf diese Weise von Anfang an vorbeugen und investiert in die Gesundheit und Leistungsfähigkeit seines Vierbeiners bis ins hohe Alter!

Selbst wenn schon Hufprobleme vorhanden sein sollten, ist es möglich, diese durch naturnahe Hufpflege in vielen Fällen wieder zu verbessern oder gar zu beheben! Das Gewebe braucht den Anreiz um sich zu verändern, ganz gleich, ob zum Positiven oder zum Negativen. Beides ist möglich, egal wie alt ein Pferd ist! Das erfordert nicht selten etwas Geduld vom Pferdebesitzer. Geschwächte innere Strukturen müssen gestärkt und die Hufkapsel teilweise umgebaut werden. Später profitierst Du dafür vom High Tech der Natur, was optimale Durchblutung, exzellente Stoßdämpfung, absolute Trittsicherheit, einwandfreie Bodenwahrnehmung und einen gesunden, leistungsfähigen Organismus bedeutet!

Wenn wir zu einem Pferd gerufen werden, informieren wir uns zunächst einmal umfassend über die Vorgeschichte, Haltungsbedingungen, Fütterung, Nutzung und evtl. Probleme des Pferdes. Dann sehen wir uns gemeinsam die Hufe an und besprechen mit Dir, was zu tun ist und wie Du Dein Pferd bestmöglich unterstützen kannst. Dann geht's los!

Hufpfleger bei der Arbeit
Hufpflegerin bei der Arbeit
Wir entfernen überflüssiges Horn, da fehlender oder ungleichmäßiger Abrieb den Huf bisher daran gehindert hat, seine natürliche Form zu erlangen und in Balance zu bleiben. Dein Pferd wird mit der Zeit von selbst seine optimale Hufform entwickeln. Die Bearbeitungsabstände richten sich nach dem Zustand der Hufe. Gute Erfahrungen haben wir mit vierwöchigen Abständen gemacht. Intervalle, die über sechs bis sieben Wochen hinausgehen, sind im ersten Jahr selten empfehlenswert! Beim normal durchbluteten Huf wächst das Horn einen Zentimeter pro Monat, bei einem entzündeten, kranken Huf deutlich mehr! Hält man die Intervalle ein, kann man davon ausgehen, dass die Hufe nach einem Jahr einen stabilen Zustand erreicht haben.

Wenn Du Dein Pferd an härtere Böden gewöhnen möchtest, solltest Du damit warten, bis wir Dir grünes Licht geben.

In der Anfangszeit kann es sein, dass Dein Pferd bei der Optimierung der Hufsituation Sonderbehandlung benötigt wie z.B. regelmäßige Spaziergänge statt Reiten, weniger Belastung beim Reiten, extra Bewegungsanreiz im Paddock. Du wirst dann von uns ausführlich darüber informiert. Wenn Du diese Gegebenheiten nicht erfüllen kannst, können wir gemeinsam versuchen, das Optimum innerhalb der Möglichkeiten zu finden und probieren, ob Dein Pferd damit klar kommt. Jedoch musst Du bedenken, dass die Entwicklung gesunder, leistungsstarker Barhufe unter nicht optimalen Bedingungen oft erheblich länger dauert oder sogar ganz ausbleiben kann!

Zum Schluss noch eine Bitte: Was auch immer passiert, ob Du zufrieden bist oder nicht, rede mit uns darüber! Es ist ganz wichtig, dass wir regelmäßige Informationen bekommen. Wenn Du uns erst nach zwei Wochen sagst, dass Dein Pferd nicht komfortabel ist, hat es schon zwei Wochen gelitten, die man ihm unter Umständen hätte ersparen können! Und auch wenn wir Dir manchmal sagen, dass Abwarten im Moment die beste Medizin ist, erzähle uns bitte trotzdem immer regelmäßig, was passiert!