Naturhufpflege » Fallstudien erstellen

Erstellen von Fallstudien - Empfehlungen aus der Praxis

Dokumentation

Teil der professionellen Arbeit eines Hufbearbeiters ist die Dokumentation über das Kundenpferd und seine Hufe.
Im folgenden einige Hinweise und Tipps aus der Praxis

  • eine umfassende Fotodokumentation sollte mindestens 2-4 Mal pro Jahr je Pferd erstellt werden, ggf. bei jedem Termin
    • so kann Miß- / Erfolg festgestellt und entsprechend darauf eingegangen werden
    • Besitzer und Hufbearbeiter erinnern sich i. d. R. nicht, wie die Hufe früher aussahen - eine gewissenhafte Dokumentation hilft auch dem Besitzer, Veränderungen zu sehen und anzuerkennen
  • Informationen über das Pferd gehören ebenso dazu wie Kontaktdaten des Besitzers:
    (ein Teil davon lässt sich gut in ein vom Besitzer auszufüllendes Formular fassen)
    • Besitzer: Name, Adresse, Kontakt (E-mail, Tel, Mobil)
    • Pferd: Name, Alter, Rasse, Geschlecht
    • Stalladresse
    • Anamnesebericht (Pferde- und Hufgesundheit/Hufprobleme/ Lahmheiten/ Medikamenteneinnahme?)
    • Beschlag/ Beschlagabnahme/ Bearbeitungsintervalle/ letzte Hufbearbeitung
    • Haltung des Pferdes (Offenstall, Box, Paddock-Box, Auslauf, Laufstall, Weide (wie lange) ... )
    • Nutzung des Pferdes (Freizeit, Turnier, Sport, Fahren, ... ) mit Hufschuh/ ohne Hufschuh/ auf welchen Böden?
    • Zehenlandung, plane Landung, Trachtenlandung, Zehenfußung, Trachtenfußung
    • Auffällige Besonderheiten
  • Wichtig ist die Fortführung eines einmal gefundenen, praktikablen Dokumentations-Formats, um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten

 

Für die Fotodokumentation haben sich folgende Richtlinien bewährt:

  • das Pferd auf eine ebene, saubere Fläche stellen
  • Beine und Hufe von Schmutz befreien
  • Aufnahme-Reihenfolge der Hufe festlegen, z.B. vorne links - hinten links - hinten rechts - vorne rechts (VL - HL - HR - VR) oder Hufe sichtbar mit Marker auf Wand und Sohle beschriften, z.B. VL - HL - HR - VR (beim eigenen Pferd kein Problem - bei Kundenpferden meist etwas 'blöd')
  • Stellung und Hufe vor (Ist-Zustand und Reaktion auf die letzte Hufbearbeitung ablesbar) und nach der Bearbeitung (Bearbeitungsstrategie ablesbar) fotografieren
  • Die Stellung - drei Ansichten des Pferdes: Kamera ca. auf Brust-/ Bauchhöhe des Pferdes; Kopf des Pferdes möglichst geradeaus; die Körperseite ohne Mähne fotografieren; Stellung falls möglich geschlossen; eines der Fotos möglichst mit Besitzer (erleichtert die spätere Zuordnung)
    • von vorne
    • von der Seite
    • von hinten
  • Der Huf - mindestens sechs besser neun Ansichten je Huf
    (für alle gilt: Kameraabstand konstant ca. 50cm, Objektiv leicht einzoomen, nicht im Weitwinkel aufnehmen - verzerrt sonst!)
    • Huf auf dem Boden stehend (1-4) / Huf aufgehoben (5-9)
      • 1. von schräg vorne-oben (45° zur Hufachse, ca. 50cm vom Huf entfernt)
      • 2. direkt von vorne (proximal), Kamera auf dem Boden!
      • 3. von der Seite (lateral, 3b. ggf. zusätzlich medial), Kamera auf dem Boden!
      • 4. von hinten (palmar), Kamera auf dem Boden!               
      • 5. Trachte-Zehe mit Sohle sichtbar 
      • 6. Schrägansicht diagonal, Sohle sichtbar
      • 7. Schrägansicht "parallel", Sohle sichtbar
      • 8. Blick Zehe-Trachte, Sohle sichtbar
      • 9. Sohlenansicht (senkrecht auf Sohle geschaut)
  • zu geringer Kamerabstand und wechselnder Kamerastandpunkt sorgen für Verzerrungen, die Fotos werden dadurch nicht vergleichbar
  • mit etwas Übung kann man ausreichend gute Fotos von allen 4 Hufen in ca. 2 Minuten aufnehmen - der Aufwand ist also relativ gering!

Bei der Auswahl der geeigneten Kamera empfiehlt sich eine Outdoor-Kamera, die schnell auslöst, ein großes Display hat und wasserfest sowie stoßunempfindlich ist. Ein nach außen zoombares Objektiv besitzt oft den Nachteil, dass es den Betrieb wegen ständigem Kontakt mit Staub und Sand irgendwann einstellt. Manche Outdoor-Kameras haben leistungsstarke Akkus die kälteunempfindlich sind und verfügen über Ladegeräte für 12V Anschluß im Auto.
Wichtig ist ebenfalls bei den Aufnahmen immer das Pferd im Auge zu behalten und sich nicht selbst in Gefahr zu bringen, wenn man z.B. vor dem Pferd kniet.

 

Hier das ganze bildlich:

GRAU umrandet ist optional, ORANGE umrandet ist für die Bewerbung als gesundehufe-Teammitglied Plicht.

 

Die Stellung

Gesamtansichten Pferd - vorne, Seite, hinten:

Pferd von vorne, Kamera ca. Kniehöhe. So kann man in gewissem Umfang die Stellung festhalten. Pferd von der Seite, Kamera ca. Kniehöhe. Stellung der Hufe und Beine können beurteilt werden. Pferd von hinten, Kamera ca. Kniehöhe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Stellung des Pferdes gibt uns Aufschluss über die Belastungssituation der Hufe und der Gliedmaße. Wir können erkennen, ob bestimmte Hufbereiche mehr und andere weniger belastet oder gar entlastet werden, weil die Belastung für das Pferd in diesem Bereich vielleicht unkomfortabel ist oder Schmerzen bereitet.
So bekommen wir bereits durch das genaue Analysieren der Stellung des Pferdes viele wichtige Informationen, die uns bei einer individuellen und korrekten Zubereitung der Hufe helfen.
Dabei empfiehlt es sich, das Pferd sowohl vor als auch nach der Hufbearbeitung von vorne, von der Seite und von hinten zu betrachten und zu fotografieren, da viele Pferde oftmals sofort mit einer Stellungsveränderung auf eine Hufpflege reagieren. Hierfür ist die fotografische Dokumentation ein sehr wertvolles und wichtiges Feedback für uns. So lassen sich nicht nur Veränderungen der Hufe sondern auch eine verbesserte Gliedmaßenstellung/-belastung dokumentieren.

 

Der Huf

Ansichten mit Huf auf dem Boden stehend - Schräg-Übersicht, Zehe frontal

Übersicht von schräg vorne Ansicht Zehe - proximal

 

 

 

 

 

 

 

 

Ansichten mit Huf auf dem Boden stehend - Seite, Ballen unter Belastung

Ansicht Seite - lateral 

Ansicht von hinten - distal

 

 

 

 

 

 

 

Ansichten mit Huf aufgehoben - Trachte-Zehe, Schrägansicht 1 + 2

 

Von Trachte in Richtung Zehe geschaut, in Hufachse aufgenommen.

Schrägansicht diagonal über Trachte

Schrägansicht seitlich

 

 

 

 

 

Ansichten mit Huf aufgehoben - Sohle, Zehe-Trachte

Von Zehe in Richtung Trachte geschaut, in Hufachse aufgenommen Ansicht der Sohle - plantar

 

Für die Bewerbung im Gesundehufe-Team gilt:

 

 

 

Nach Absprache mit dem Team wird entschieden wie viele Falldokus erstellt und präsentiert werden müssen.

Ggf. werden bereits bestehende, gut erstellte Falldokus ebenfalls für die Bewerbung im Team anerkannt, auch wenn sie nach einer anderen Dokumentationsart verfasst worden sind.

© Text und Fotos: Gunnar Schillig 2011