Naturhufpflege » 19. Hufbeschlagstagung in Eutin

19. Hufbeschlagstagung für Hufschmiede und Tierärzte in Eutin

Nachdem wir die Fortbildungsveranstaltung im letzten Jahr sehr interessant fanden, waren wir in diesem Jahr auch wieder da!
Unter wesentlich besseren Wetterbedingungen – es war kalt ,aber die Sonne schien und von Schnee keine Spur - war die Anreise in diesem Jahr kein Problem.


Thema des Tages war „Die Hufkapsel“.


Leider war der Einführungsvortrag über die Anatomie der Hufkapsel nicht nur uninteressant vorgetragen, es handelte sich unserer Meinung nach um eine reine Wiederholung von Grundlagen, die zu schon zu Beginn einer Hufpfleger- bzw. Schmiedeausbildung stehen und bei einer Fortbildung als selbstverständlich vorausgesetzt werden sollten.


Auch der zweite Vortrag war eigentlich nur eine Wiederholung/Aufzählung der verschiedenen Hufformen und deren kurzer Beschreibung – es gab weder besondere Hinweise auf deren Entstehung noch auf deren besondere Bearbeitung – abgesehen von dem Hinweis, dass die Entstehung eines Bockhufes beim Fohlen im Alter von bis zu 8 Monaten durch eine zu eiweißhaltige Fütterung begünstigt werden kann (Knochen wachsen schneller als die Sehnen), ergaben sich auch hier leider keine besonderen/ neuen Erkenntnisse. Die Hufformen hätte man auch aus jedem guten Buch lernen können.


Der dritte Vortrag handelte von „Bakteriellen Infektionen im Bereich der Hufkapsel und des Hufgelenkes“ - hier wurde kurz und sehr oberflächlich über Hornfäule, Saumbandentzündungen, oberflächliche und tiefe Lederhautentzündungen, direkte und indirekte Vernagelung und Nageltritte gesprochen. Außer dem Hinweis das eine korrekte Hufbearbeitung äußerst wichtig ist wurde noch viel Wert darauf gelegt im Zweifel immer einen Tierarzt hinzuzuziehen – hier hätten wir uns mehr Differenzierung und Details gewünscht. Wenn - wie vorgetragen - eine Saumbandentzündung aus Strahlfäule entstehen kann wäre es wünschenswert, einige Tips zur Behandlung hartnäckig faulender Strahle zu bekommen.


Ein weiterer Vortrag handelte von „Aspekten zu Hufen, Hufpflege und Hufbeschlag bei Esel und Maultier“ - sicher ist, dass es hier Unterschiede zu den Pferden gibt die man als Hufbearbeiter kennen sollte. Leider basierten die vorgestellten Erkenntnisse auf den Erfahrungen einer einzelnen Gruppenhaltung im Rahmen der Bundeswehr – unserer Meinung nach ist dies jedoch nicht sehr aussagekräftig, denn alle Tiere haben die gleiche Haltung, Nutzung und den gleichen Hufbearbeiter – schade, auch hier hatten wir uns mehr Neues erhofft. Die Vermessung der Hufwinkel an der Hufwand ist nicht sinnvoll - man hätte die Esel röntgen und die Hufbeine vermessen müssen. Durch die Vermessung der Wand kann man lediglich die Winkeltreue des Hufbearbeiters beurteilen, aber nicht den reelen Hufwinkel. Sehr merkwürdig erschien uns auch die Aussage, ein Esel brauche einen Hufschutz, wenn er mehr als 50km pro Monat marschieren muss - das sind weniger als 2km am Tag, für eine solche Strecke braucht kein Pferd und erst recht kein Esel einen Hufschutz!
Die ewige Problematik der "vergammelten" Wände an Eselhufen wurde zwar angesprochen (Eselhufe können mehr Feuchtigkeit aufnehmen als Pferdehufe was für Pilzerkrankungen wie White Line Disease ein hervoragendes Milieu bietet), aber eine wirklich praktikable und auch prophylaktische Behandlunsmöglichkeit wurde leider nicht vorgestellt (und auch auf Nachfrage im persönlichen Gespräch nicht gegeben).


Beim Vortrag über „die Zehenrichtung in Theorie und Praxis“ wurde kurz der Sinn der Zehenrichung besprochen – Erleichterung des Abfußens... sonst wurde hauptsächlich auf die verschiedenen Möglichkeiten einer Zehenrichtung am Eisen eingegangen und darauf hingewiesen, dass es ja die verschiedenen Eisen schon in allen möglichen Formen und Variationen vorgefertigt zu kaufen gibt, da ja kaum noch ein Schmied „die Zeit hätte“ ein Eisen entsprechend zu schmieden.
Dass eine Zehenrichtung nicht nur das Abfußen, sondern auch die Landung des Hufes beeinflusst, wurde nur im Nebensatz erwähnt und nicht weiter ausgeführt.


Auch beim Vortrag zum „diagonalen Huf“ wurde leider wenig und dazu fachlich inkorrekt auf dessen Bearbeitung eingegangen. Der Schwerpunkt des Vortrages lag wohl darin, dass ein Diagonalhuf schwer zu erkennen ist und dass man am diagonalen Huf - laut Ansicht des Vortragenden - wenig verändern kann. Hier wäre es spannend gewesen, mehr Röntgenaufnahmen zu sehen, um sich die verschiedenen Ursachen für Diagonalhufe besser vorstellen zu können.


„Röntgenuntersuchung des Rehehufes“ lautete ein weiterer Vortrag der insbesondere an die anwesenden Tierärzte gerichtet war, ging es doch fast ausschließlich um Röntgentechnik, Auswertung der Röntgenaufnahmen und die damit verbundene Prognosestellung. Dass und wie man am Huf von außen ohne Röntgenbild entsprechende Veränderungen sehen kann, wurde nicht erwähnt, sondern im Gegenteil stets betont, dass niemand einen "Röntgenblick" habe und man daher in kurzen Abständen (bei akuter Rehe wöchentlich!) röntgen müsse. Dies erscheint uns in der Praxis leider wenig praktikabel. Deutlich wurde, dass Röntgenaufnahmen eigentlich nur dann miteinander vergleichbar sind, wenn sie unter genormten Bedingungen gemacht werden, was nur in der Klinik möglich ist. Trotzdem hoffen wir, dass dieser Vortrag zu aussagekräftigen Bildern beiträgt. Da wir in unserer Praxis oft erleben, dass wenn wir schon mal das Glück haben Röntgenbilder für die Beurteilung und Bearbeitung heran ziehen zu können, diese oft von schlechter Qualität sind, aus der falschen Perspektive aufgenommen oder nicht bzw. fehlerhaft markiert wurden.
Hier zeigt sich also wieder der Unterschied zwischen den eigentlich nötigen Bedingungen und den tatsächlichen Gegebenheiten.


„Beispielhafte Streitfälle – Hufbeschlag in der Rechtssprechung“ - hier wurde deutlich wie wichtig eine Haftpflichtversicherung für Schmiede, Hufpfleger und Tierärzte ist, denn die Kosten die bis zur Klärung einer Schuldfrage anfallen, können existenzbedrohend sein. Es scheint nicht so selten zu sein, dass die Kläger versuchen, auch weitere Kosten (Kolik durch Stehen weil das Pferd lahm war) geltend zu machen, hier sollte man sich im Streitfall gut mit der Versicherung beraten.

Die letzten beiden Vorträge "Beschlagplatz früher und heute" und "Wettbewerbe im Hufbeschlag" haben wir uns nicht mehr angehört, da sie naturgemäß nicht so interessant für uns sind. Bei den Anforderungen an einen Schmiedeplatz können wir leider nur wieder feststellen, dass wir keinen einzigen Stall kennen, der diese Bedingungen erfüllt...


Leider waren wir dieses Jahr ziemlich enttäuscht von dieser Fortbildungsveranstaltung, (wenn auch Essen und Trinken wieder hervorragend waren) – so fanden wir auch die Seitenhiebe einiger Dozenten auf „das nicht Wissen der Amerikaner“ nicht angebracht bzw. überflüssig (gibt es doch dort wie hier Leute mit Knowhow und ohne)...


… wir hoffen nächstes Jahr wird’s wieder besser... ;o(