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18. Hufbeschlagstagung für Hufschmiede und Tierärzte in Eutin

Am 31.1.2010 besuchten wir die 18. Hufbeschlagstagung für Hufschmiede und Tierärzte in Eutin.
Diese Tagung findet schon seit mehreren Jahren statt und hat jedes Mal ein großes Oberthema, in diesem Jahr waren es Sehnenprobleme.

Wir waren zum ersten Mal dabei. Nachdem wir uns durch den in der Nacht reichlich gefallenen Neuschnee gekämpft hatten, waren wir von der angenehmen Atmosphäre im Eutiner Schlosstheater positiv überrascht. Nach unserer Schätzung waren über 120 Teilnehmer - Hufschmiede und Tierärzte - anwesend, um sich die viele verschiedenen Vorträge anzuhören. Prof. Dr. Hertsch begrüßte in seiner Ansprache das zahlreiche Erscheinen und freute sich darüber, dass diese Gelegenheit zur Fortbildung auch von vielen Tierärzten wahrgenommen wird. Eine gute Zusammenarbeit von Tierarzt und Hufbearbeiter ist für die Praxis sehr wertvoll - der Tierarzt ist auf die Erfahrung des Hufbearbeiters angewiesen, da das Studium für Veterinärmedizin in Deutschland und der EU nur ca 4 Stunden zum Thema Huf beinhaltet.

Zu Beginn gab es einen Vortrag über die Anatomie der Pferdesehnen. Obwohl natürlich vieles bekannt war, waren doch auch neue Informationen dabei und der Vortrag war lebendig und gut bebildert, so dass wir danach so richtig auf das Thema eingestimmt waren. Besonders wichtig war uns, dass noch einmal klar wurde, dass Sehnen, genau wie Knorpel, im Wesentlichen durch Diffusion ernährt werden, im Vergleich zu anderen Gewebearten recht spärlich durchblutet und somit von stetiger Bewegung abhängig sind! Außerdem betonte der Vortragende Prof. Dr. Hertsch, dass Sehnen sorgfältig für die Belastungen trainiert werden müssen, denen sie ausgesetzt werden und dass dies länger dauert, als das entsprechende Muskeltraining. Dies sei jedem ambitionierten Reiter ans Herz gelegt!
Weiter ging es mit Vorträgen über Sehnenverletzungen, die korrekte Diagnosestellung und die schulmedizinischen Therapiemöglichkeiten. Dies war für uns ebenfalls lehrreich und interessant, jedoch wunderten wir uns über die Diskrepanz zwischen dem Wissen, dass Sehenfasern sich nach der Zugrichtung ausrichten, d.h. das Sehenverletzungen eigentlich unter ruhiger Bewegung stabiler verheilen, und der gängigen Praxis, Pferde mit Sehnenverletzungen wochenlang ruhigzustellen.
Interessant für alle Pferdebesitzer ist an dieser Stelle aber vor allem, dass auch eine Sehnenverletzung im akuten Stadium (also die ersten 24-48 Stunden) gekühlt werden sollte. Somit kann Kühlen bei einer akuten Lahmheit ohne äußere Verletzung wohl nie schaden und kaltes Wasser ist ja eigentlich auch überall vorhanden.

Der angekündigte Vortrag über die Phlebographie an Rehehufen musste leider wetterbedingt ausfallen, da der Vortragende nicht anreisen konnte. Dennoch konnten wir nicht über Langeweile klagen, da es sofort weiter ging mit einem Vortrag über Zwangsmaßnahmen beim Hufbeschlag (ein ziemliches Horrokabinett an Geräten, die man nicht benutzen sollte). Die Nasenbremse gilt leider immer noch als probates Mittel zur Ruhigstellung, obwohl nachgewiesen ist, dass der Streßpegel des Pferdes durch die Nasenbremse steigt und der Lerneffekt fürs Pferd ausbleibt- schade!

Der folgende Vortrag über den chronischen Bockhuf war etwas einseitig darauf ausgelegt, dass Pferde mit Bockhufen möglichst operativ behandelt werden sollten. Obwohl die Möglichkeit der OP sicher von jedem Pferdebesitzer in Erwägung gezogen werden sollte, gilt es doch auch zu sehen, dass gerade im Freizeitbereich unzählige Pferde mit Bockhufen ganz normal genutzt werden können, so lange man diese besondere Stellung in der Hufpflege berücksichtigt und keine gewaltsamen Korrekturen vornimmt. Hier zeigte sich aber wieder, dass in der Welt außerhalb der Freizeitreiterei Kriterien wie z.B. die Note bei einer Ankaufsuntersuchung u.U. wichtiger sind als das tatsächliche Bild, wie gesund ein Pferd sich zeigt.

Ein weiterer Vortrag mit dem Thema Trachtenzwanghuf war zwar nicht uninteressant, lief jedoch im Wesentlichen wieder auf Korrekturmaßnahmen mit Beschlag hinaus. Unseren Erfahrung nach gilt es aber zu beachten, dass sich die inneren Strukturen entsprechend mit entwickeln müssen und eine Spreizung der Hufkapsel mittels Beschlag letztlich eine gewaltsame Weitung ist. Merkwürdig erschien uns auch, mit welchem Aufwand man Bodenkontakt für den Strahl herstellt (durch Ausspritzen etc), obwohl dies in der Barhufbearbeitung wesentlich leichter und schneller zu erreichen ist. Eine Weitung des Barhufes erfolgt immer im individuellen Tempo des Pferdes und birgt weit weniger Risiken, da wir hier nicht über Hebelkräfte arbeiten. Das Pferd soll zu einem natürlichen Gangbild zurückkehren und über die Belastung der hinteren Hufbereiche (Strahl, Ballen, Trachte) den Zwang selber weiten. Dies wird das Pferd nur dann tun, wenn sich die inneren Strukturen dementsprechend mit entwickeln, dadurch belastbar werden und wenn das Pferd genügend Bewegung hat!

Eine Studie über die Auswirkung von Keilen auf die Gelenkswinkelung und den Bewegungsablauf des Pferdes wurde von Prof. Dr. Peham vorgestellt. Hier war interessant zu hören, dass Keile immer nur als kurzfristige Maßnahme zur Entlastung bestimmter Bereiche eingesetzt werden dürfen, da dadurch andere Bereiche mehr belastet werden und auf Dauer Schaden nehmen.

Eine Physiotherapeutin für Menschen, die nun selbst als Hufschmiedin tätig ist, erzählte uns von ihren Ideen zu rückenschonenden Arbeitshaltung. Hier waren wir froh, dass uns das Tragen von Amboss und Gasflasche erspart bleibt.... aber einige Anregungen konnte wohl jeder von uns mitnehmen, damit wir noch lange gesund bleiben :-)

Ein besonders spannender Vortrag kam ganz zum Schluss, dort wurde anhand von Fotos abgenommener Beschläge aufgezeigt, welche Fehler beim Beschlag gemacht werden können und was man an den abgenommenen Eisen so alles erkennen kann - gerade für uns als Laien auf diesem Gebiet war dies sehr aufschlussreich und so sind wir jetzt sicher besser in der Lage, Beschläge zu beurteilen und evtl. Lahmheitsquellen aufzuspüren.

Insgesamt war man sich über viele Dinge einig und wir waren z.B. sehr erfreut, zu hören, dass Beschlagsintervalle über 7-8 Wochen nicht akzeptabel sind, dass Sohle und Strahl "mit der Mütze" - also sehr zurückhaltend - bearbeitet werden sollten und dass in Fällen schwerwiegender Probleme wie z.B. beim einseitigen Trachtenzwang eine Korrektur nach 10-14 Tagen erforderlich ist. Weiter wurde uns klar, dass auch Hufschmiede und Tierärzte mit ihren Behandlungsversuchen häufig dort scheitern, wo Pferdebesitzer nicht bereit sind, ihren Teil zur Genesung des Pferdes beizutragen oder wo z.B. Fohlen zu selten beim Hufschmied vorgestellt werden.


Insgesamt eine sehr gelungene Veranstaltung - wir freuen uns schon aufs nächste Jahr, denn das Oberthema wird dann die Hufkapsel sein ... Eutin, wir kommen!