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Hufpflegertreffen Juni 2009

(Hinweis: Die Bilder können durch Anklicken vergroßert werden.)

Am 27. und 28.6.09 fand hier bei uns auf "orbis alia" (dem Hof von Lioba und Arnulf Jung)

unser erstes "großes" Hufpflegertreffen

statt. "Groß" ist im Moment noch relativ und bedeutet, dass sich nicht nur wie bisher das "gesundehufe – Kernteam" zum Austausch getroffen hat, sondern wir auch einige hufinteressierte Freunde und befreundete Hufpfleger eingeladen hatten. So waren wir schließlich 12 Personen, die sich ein Wochenende lang dem Thema Hufe bzw Pferde widmen wollten.

Beim Frühstück 1 Beim Frühstück 2

Beide Hälften der illustren Runde. Dass hier keiner etwas isst, liegt nur daran, dass wir schon 2 Stunden am Frühstückstisch saßen.....
Nachdem alle, trotz Sperrung der Autobahnabfahrt, heil und pünktlich eingetroffen waren (bzw. die Freitagabendanreiser sich aus dem Heu geschält hatten) und wir uns beim gemeinsamen Frühstück etwas kennen gelernt hatten, ging es auch gleich zur Sache.

Hufschuhkomfort Hans Bierwag stellte sein neues Hufschuhverkaufskonzept vor. Er ist nunmehr nicht nur auf die Marquis Supergrip spezialisiert, sondern führt verschiedene Modelle im Programm und ist speziell vom Renegade und vom Dallmer Clog sehr angetan. Er ließ uns an seinem Erfahrungsschatz teilhaben, welche Schuhe welche Vor – und Nachteile bieten, welcher Schuh für welchen Huf und welches Pferd geeignet ist und zeigte uns ein paar seiner genialen kleinen Tricks, wie man Schuhe besser anpassen kann. Er bietet jetzt sogar einen Hufschuhverleih an, was einigen sicher sehr entgegenkommen wird (mehr Infos hier (www.gesundehufe.com/hufschuhkomfort.html). Für uns besteht der Vorteil unserer Zusammenarbeit v.a. darin, dass Hans Bierwag die Schuhe stets vorrätig hält im Gegensatz zu anderen Verkäufern, die erst Bestellungen sammeln und dann in den USA bestellen, was für den Kunden Wartezeiten von 4-5 Wochen bedeutet. ;o(

Christiane und Szuk
Trotz sommerlichen Wetters war es
in der Scheune ziemlich kühl....

Als nächster Punkt stand ein Vortrag von Barbara Keßler auf dem Programm. Sie arbeitet für die Firma Agrobs (hielt sich aber mit Werbung sehr zurück :-) und erzählte uns aufschlussreich und gut bebildert wie Pferde ihr Futter verdauen. Vor allem wurde uns dabei noch einmal klar: Wer sein Pferd gut füttern will, muss im Wesentlichen die Darmbakterien füttern! Es ist enorm wichtig, dass die Bakterienbesiedelung im Gleichgewicht bleibt und sich nicht einige schneller vermehren können als andere.
Außerdem kam natürlich wieder die Bedeutung von Heu zur Sprache. Das Pferd ist ein Pflanzenfaserfresser (Herbivore) und DRINGEND darauf angewiesen, 16 Stunden am Tag rohfaserreiches Futter fressen zu können!
Wichtig ist auch die Unterscheidung, welche Futtermittel wo verdaut werden und in welchem Teil des Darms welche Nährstoffe aufgeschlossen werden können. Und natürlich kam wieder das „Freizeitpferdproblem“ zur Sprache: Bitte denkt alle daran, dass auch ein Pferd das schon „vom Hinschauen fett wird“ eine gute Vitalstoffversorgung braucht! Mineralfutter ist ein Muss!


Nach so viel Theorie war uns schon ganz kribblig in den Fingern und wir stürzten uns auf die toten Hufe, die wir parat gelegt hatten.

Bearbeiten von KadaverhufenSzuki mit Huf
...hmmm, bißchen kaputt, der Strahl... und die Wand müsste dringend berundet werden, was meint ihr, Kollegen?

Jeder krallte sich was ihm gefiel und dann wurde geschnitten, geraspelt und diskutiert, dass es eine wahre Freude war. Es war sehr spannend zu sehen, wie andere einen Huf sehen, beurteilen und bearbeiten und wir konnten auch erkennen, dass wir aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands kamen (unser weitest hergereister Gast Gunnar Schillig hatte 1000 km Anfahrt hinter sich!)
Anschließend schwangen einige noch Skalpell und Säge um sich auch noch einmal das „Wunderwerk Huf“ im Detail anzusehen.

Sezieren

Wieder sehr beeindruckend war dabei, dass es unmöglich ist, das Wandhorn vom Huf abzuziehen, wenn man nicht vorher die Wand soweit kürzt, dass man schon im „Leben“ ist. Selbst dann ist es ein Kraftakt, der eine gute Zange und zwei starke Arme erfordert!
Andererseits fanden wir bei einem Bein in den Gelenkflächen des Fesselgelenks Riefen und Abscheuerungen, die aussahen als wäre Sand im Gelenk gewesen.

Hunger
... denn der eine oder andere hatte schon großen Hunger.
Nach dieser Aktion, die doch etwas an Schlachthof erinnerte, war es Zeit für etwas schönes und so ließen wir uns eine leckere Pizza kommen.....

Natürlich konnten wir aber auch dann nicht anders, als über Hufe und Pferde zu reden und so schauten wir uns auch noch ein paar Falldokumentationen an und diskutierten über Möglichkeiten und Grenzen dessen, was mit Messer und Raspeln erreichbar ist.
Gunnar Schillig hatte noch Präparate von Brumby- Hufen mit, die uns vor allem durch ihre Unterschiedlichkeit überraschten – offensichtlich kann ein gesunder, funktionstüchtiger Huf viele verschiedene Formen annehmen. Wir müssen uns also noch mehr vom Bild des „Idealhufes“ verabschieden und viiiiel individueller denken!

Nach all diesen Eindrücken fielen wir halbtot in die Betten bzw ins Heu.

Am Sonntag machten wir weiter mit der Horizontalstromtherapie, die unser kleines „Demonstrationspony“ sehr genoss. Caro Liebner erklärte uns ihr Gerät und im Anschluss durften auch die Menschen die heilsame Wirkung des Stroms erfahren. Horizontalstromtherapie ist eine elektrische Differential-Therapie. Das Konzept baut auf die bekannten bioelektrischen sowie biochemischen Vorgänge auf und umfasst alle zurzeit bekannten therapeutischen Wirkungen die mit elektrischen Feldern im Tier erzeugt werden können. Die Horizontalstromtherapie ruft biochemische und bioelektrische Wirkungen gleichzeitig im Gewebe hervor und imitiert so die natürlichen Vorgänge in den Zellen. Verwendet werden mittelfrequente Ströme mit konstanter Intensität zwischen 4.400 und 12.300 Hz unter deren biophysikalischem Einfluss die geladenen Teilchen im Gewebe - Ionen und Moleküle - durch Schwingungen, Drehungen und Vibrationen in Bewegung geraten. Gleichzeitig werden Nerven und Muskeln auf natürliche Art im biologischen Rhythmus stimuliert. Somit ist die Horizontalstromtherapie eine hervorragende Therapieform, die, in Kombination mit der Hufbehandlung, tolle Erfolge in der Wiederherstellung der Gesundheit unserer Vierbeiner erzielt!
Die Möglichkeiten der Anwendung sind enorm, einzig bleibt das organisatorische Problem, da das Gerät mehrere tausend Euro kostet und die Anwendung ihre volle Wirkung nur entfalten kann, wenn mehrere Sitzungen á ca. 45min abgehalten werden können. Die Herstellerfirma löst das Problem derzeit indem sie das Gerät gegen Gebühr verleiht und der Besitzer sein Pferd nach entsprechender Einführung selbst behandelt. Weitere Infos hierzu unter http://www.hakomed.de.


Nachdem alle ihr „Wellnessprogramm“ genossen hatten, ging es gleich weiter, denn Arnulf Jung erklärte uns anhand eines Pferdes und mithilfe eines Stücks Kreide, wo die wichtigsten oberflächlichen Muskelgruppen sitzen und wie wir Verspannungen ertasten und massieren können. Auch einige der Menschen kamen in den Genuss seiner Massagekünste, so dass nachher alle steifen Hälse, verspannten Armmuskeln, verschobene Rücken etc passé waren und lauter glückliche Hufpfleger herumsaßen.
Derart entspannt waren wir dann noch in der Lage, einige Falldokumentationen anzusehen und Problemhufe zu besprechen. Jeder hatte so seine Anregungen und so geht nun jeder mit neuen „Tricks“ im Gepäck nach hause.
Leider mussten uns dann die ersten verlassen, z.T. musste ein Flug erreicht werden, andere mussten noch ihre Ponys versorgen. Solche Schwierigkeiten werden uns wohl erhalten bleiben, je größer die Gruppe wird.
Der Rest der Gruppe blieb noch gemütlich beisammen sitzen und stellte fest, wie zufrieden wir alle mit dem Verlauf unseres ersten „großen“ Treffens waren.

Zukünftig sollen zwei solcher Treffen im Jahr an wechselnden Orten stattfinden. Für alle, die auf gesundehufe.com als Hufpfleger genannt werden wollen ist mindestens ein Treffen Pflicht, es dient uns als Qualitätssicherung und um den persönlichen Kontakt zu halten.

Wir alle möchten offen bleiben und nicht nach "Schema F" arbeiten, sondern stets weiter lernen und im Sinne der Pferde unsere Arbeit verbessern!

Wenn Du auch als Hufbearbeiter, egal welcher "Herkunft", tätig bist, es Dir ähnlich ergeht, Dir Austausch, Weiterbildung und eine qualitätsvolle Arbeit genau so viel bedeutet und Du interessiert an unserem Team bist, kannst Du uns gerne unter info@gesundehufe.com anmailen.

Caros HandschuheZum Abschluss noch ein dringender Spendenaufruf! Bitte sammelt für diese Hufpflegerin, damit sie sich neue Handschuhe kaufen kann! ;o)